Die Abschlussprüfung ist das Herzstück der Assistenzhund-Anerkennung in Deutschland. Ohne bestandene Prüfung bei einem anerkannten Verband ist ein Hund rechtlich kein Assistenzhund – unabhängig davon, wie gut er ausgebildet ist. Diese Seite erklärt, welche Prüfungen es gibt, was geprüft wird und wie Sie sich optimal vorbereiten.
Warum ist die Prüfung gesetzlich vorgeschrieben?
Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) § 12e, das 2021 reformiert wurde, definiert Assistenzhunde als Hunde, die einen Menschen mit Behinderung begleiten, auf seine Bedürfnisse abgestimmt sind und eine Prüfung durch eine geeignete Stelle bestanden haben. Die Prüfungspflicht hat zwei zentrale Ziele:
- Schutz der Öffentlichkeit: Ein Assistenzhund, der öffentliche Einrichtungen betreten darf, muss zuverlässig ruhig, sauber und kontrollierbar sein. Die Prüfung garantiert diesen Mindeststandard.
- Schutz des Halters: Nur geprüfte Hunde haben das gesetzliche Zutrittsrecht (ÖPNV, Restaurants, Arztpraxen, Hotels). Ohne Prüfung kann ein Zutritt verweigert werden.
Gesetzlicher Anerkennungsstatus
Ein Hund ohne anerkannte Prüfung kann als Begleithund mitgeführt werden – aber er hat keine besonderen Rechte. Kein gesetzliches Zutrittsrecht, keine Möglichkeit zur Kostenbeantragung bei Krankenkasse oder Sozialamt, keine Befreiung von Wohnungsverboten für Hunde. Mehr zum Gesetz auf unserer Seite zum Assistenzhundegesetz.
Welche Prüfungen gibt es in Deutschland?
In Deutschland gibt es keine einheitliche bundesweite Assistenzhundprüfung. Verschiedene Verbände bieten eigene Prüfungsordnungen an. Die bekanntesten:
BHV – Bundesverband für Rettungshunde
Der BHV bietet spezifische Assistenzhundprüfungen an, die von vielen Kostenträgern anerkannt werden. Die Prüfungsordnung umfasst Gehorsamkeit, Öffentlichkeit und Assistenzaufgaben. Der BHV ist einer der bekanntesten Verbände in der Assistenzhundszene.
IGPH – Internationale Gesellschaft für pferdegestützte Heilpädagogik und Hundegestützte Therapie
Die IGPH bietet Prüfungen für verschiedene Assistenzhund-Typen an, insbesondere im therapeutischen Bereich. Ihre Prüfungsordnung ist anspruchsvoll und wird von Fachkräften im Gesundheitsbereich geschätzt.
VDH-geprüfte Verbände
Einzelne VDH-Mitgliedsverbände haben eigene Prüfungsordnungen für Assistenzhunde entwickelt. Die Anerkennung variiert je nach Kostenträger. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Trainer, welcher Verband für Ihren spezifischen Hunde-Typ und Ihre Region empfohlen wird.
Spezialisierte Verbände (je nach Hunde-Typ)
Für bestimmte Hunde-Typen gibt es Spezialverbände: z.B. der Deutsche Epilepsieverband für Epilepsiehunde, spezialisierte PTBS-Hund-Verbände oder Diabetiker-Hund-Verbände. Diese haben oft sehr spezifische Prüfungsanforderungen.
Tipp: Verband vorab mit Kostenträger abstimmen
Nicht jeder Kostenträger akzeptiert jede Prüfung. Wenn Sie Förderung beantragen möchten, klären Sie vorab mit der Krankenkasse oder dem Sozialamt, welche Verbände und Prüfungsordnungen akzeptiert werden.
Ablauf der Prüfung
Obwohl die Prüfungsordnungen variieren, haben alle seriösen Assistenzhundprüfungen eine ähnliche Grundstruktur aus drei Bereichen:
Grundgehorsamkeit
Sitz, Platz, Bleib, Rückruf, Leinenführigkeit – zuverlässig und ablenkungsresistent. Meist 15–20 Minuten.
Öffentlichkeitstest
Das Team wird in realen Alltagssituationen beobachtet: Kaufhaus, ÖPNV, Cafe. Ruhiges Verhalten ist Pflicht.
Assistenzaufgaben
Die spezifischen Aufgaben für den Hunde-Typ werden geprüft: Anfallsmeldung, Warnsignal, Mobilitätshilfe etc.
Die Gesamtdauer einer Prüfung liegt typischerweise bei 3–6 Stunden, aufgeteilt auf mehrere Prüfungsabschnitte. In der Regel sind ein oder zwei Prüfer anwesend, die das Team neutral beobachten und bewerten. Für jeden Abschnitt gibt es Mindestpunktzahlen, die erreicht werden müssen.
Voraussetzungen für Hund und Halter
Voraussetzungen Hund
- → Mindestalter: je nach Verband 18–24 Monate
- → Gesundheitszeugnis des Tierarztes
- → Aktueller Impfstatus
- → Nachweis der absolvierten Ausbildung
- → Keine Hinweise auf Aggressivität oder unkontrolliertes Verhalten
Voraussetzungen Halter
- → Nachweis der Behinderung (Schwerbehindertenausweis)
- → Nachweis der absolvierten Teamausbildung
- → Sachkunde im Umgang mit dem Hund
- → Nachweis über Trainer-Begleitung
- → Ggf. Vorlage eines Ausbildungstagebuchs
Kosten der Prüfung
Die Prüfungsgebühren variieren je nach Verband und Hunde-Typ. Typische Kosten:
- Prüfungsgebühr (Verband)150–400 €
- Prüfer-Honorar100–300 €
- Ausweisdokument & Kennzeichnung50–100 €
- Gesamt typisch300–800 €
Anmeldung und Vorbereitung
Die Anmeldung zur Prüfung erfolgt in der Regel über Ihren Trainer, der den Kontakt zum zuständigen Verband herstellt. Planen Sie folgendes:
- Anmeldung mindestens 2–3 Monate vor dem gewünschten Prüfungstermin
- Alle erforderlichen Unterlagen rechtzeitig zusammenstellen (Gesundheitszeugnis, Impfnachweise, Ausbildungsnachweis)
- Probeprüfungen mit dem Trainer 2–3 Monate vorher durchführen
- Prüfungsroute in unbekannten Umgebungen üben
- Am Prüfungstag ausgeruht und ruhig erscheinen – Stress überträgt sich auf den Hund
Besteht der Hund die Prüfung nicht, ist eine Wiederholung nach einer festgelegten Wartezeit (meist 4–12 Wochen) möglich. Nutzen Sie diese Zeit, um gezielt an den Schwachstellen zu arbeiten.
Trainer für die Prüfungsvorbereitung finden
Ein erfahrener Trainer kennt die Anforderungen des jeweiligen Verbands und bereitet Sie und Ihren Hund optimal vor.
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