Die Selbstausbildung des eigenen Hundes zum Assistenzhund ist in Deutschland ausdrücklich erlaubt – und für viele Betroffene die beste Wahl: günstiger als ein fertig ausgebildeter Hund, mit tieferer Bindung und individuell auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten. Doch sie erfordert Konsequenz, Zeit und professionelle Begleitung. Dieser Leitfaden erklärt, wie Sie vorgehen müssen.
Kann ich meinen Hund selbst zum Assistenzhund ausbilden?
Ja – aber mit klaren Voraussetzungen. Das deutsche Recht schreibt nicht vor, dass ein Assistenzhund von einer bestimmten Ausbildungsstätte ausgebildet werden muss. Was es vorschreibt: Am Ende der Ausbildung muss das Team aus Hund und Halter eine offizielle Prüfung bei einem anerkannten Verband bestehen.
Für die Selbstausbildung brauchen Sie außerdem:
- Einen geeigneten Hund (richtiger Charakter, Alter, Eignung – kein beliebiger Familienhund)
- Die Begleitung durch einen zertifizierten Assistenzhundtrainer
- Ausreichend körperliche und zeitliche Kapazitäten für tägliches Training
- Die Bereitschaft, 1,5 bis 3 Jahre konsequent zu trainieren
Nicht jeder Mensch mit Behinderung ist für die Selbstausbildung geeignet. Wenn Ihre Behinderung tägliches aktives Training unmöglich macht oder Sie nicht die Energie aufbringen können, regelmäßig und konsequent zu üben, ist ein fertig ausgebildeter Hund die bessere Wahl.
Rechtliche Anforderungen
Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) § 12e definiert, was ein anerkannter Assistenzhund ist. Die Kernaussage: Der Hund muss eine Behinderung ausgleichen, auf den Halter individuell abgestimmt sein und eine Prüfung durch eine geeignete Stelle bestanden haben.
Die Prüfung ist obligatorisch
Ohne bestandene Abschlussprüfung bei einem anerkannten Verband gilt der Hund rechtlich nicht als Assistenzhund – unabhängig davon, wie gut er trainiert ist. Er hat dann kein gesetzliches Zutrittsrecht und es kann keine Kostenübernahme durch Krankenkasse oder Sozialamt beantragt werden.
Anerkannte Prüfungsstellen sind Verbände wie der Bundesverband Rettungshunde (BHV), die IGPH, VDH-geprüfte Verbände sowie einige Landesverbände, die spezielle Assistenzhundprüfungen durchführen. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Trainer, welcher Verband für Ihren Hunde-Typ zuständig ist.
Weitere Informationen zur Prüfung finden Sie auf unserer Seite zur Assistenzhund-Prüfung.
Schritt-für-Schritt: Von der Grundausbildung zur Prüfung
Trainer finden und Eignungstest
Der erste Schritt ist, einen zertifizierten Assistenzhundtrainer in Ihrer Region zu finden. Gemeinsam mit dem Trainer wird ein Eignungstest durchgeführt: Ist Ihr Hund (oder der geplante Welpe) für die Assistenzhund-Ausbildung geeignet? Hat er den richtigen Charakter – ausgeglichen, neugierig, belastbar, nicht ängstlich oder aggressiv?
Sozialisierung und Welpenphase (0–6 Monate)
Falls Sie mit einem Welpen beginnen, ist die Sozialisierungsphase entscheidend. Ihr Hund muss systematisch an verschiedenste Reize gewöhnt werden: laute Umgebungen, fremde Menschen, andere Tiere, Fahrzeuge, Rollstühle, Krücken. Was in dieser Phase versäumt wird, lässt sich später kaum aufholen.
Grundgehorsamkeit (6–18 Monate)
In dieser Phase werden alle Grundkommandos trainiert: Sitz, Platz, Bleib, Rückruf, Leinenführigkeit, Folgen auf Distanz. Der Hund muss diese Kommandos nicht nur in der Wohnung, sondern auch in der Öffentlichkeit bei Ablenkungen zuverlässig ausführen. Tägliches Training von mindestens 20–30 Minuten ist erforderlich.
Öffentlichkeitstraining (12–24 Monate)
Der Hund wird schrittweise in immer anspruchsvollere Situationen gebracht: erst ruhige Geschäfte, dann Kaufhäuser, ÖPNV, Arztpraxen, Restaurants. Er muss in jeder Situation ruhig, unauffällig und fokussiert bleiben. Dieses Training kostet am meisten Zeit, ist aber essenziell für die Prüfung.
Spezialisierungsphase (individuell)
Jetzt werden die spezifischen Assistenzaufgaben trainiert, die auf Ihre Behinderung zugeschnitten sind. Das kann das Erkennen und Melden von Anfällen sein, das Unterbrechen von Angstreaktionen, das Aufheben von Gegenständen oder das Geben von Warnungen bei Blutzuckerabfall. Diese Phase erfordert besondere Expertise – hier ist Ihr Trainer unverzichtbar.
Abschlussprüfung
Nach erfolgreichem Abschluss der Spezialisierung meldet Ihr Trainer Sie zur offiziellen Prüfung an. Die Prüfung besteht aus einem Gehorsamkeitstest, einem Öffentlichkeitstest und dem Nachweis der Assistenzaufgaben. Bei Bestehen erhalten Sie und Ihr Hund eine offizielle Anerkennung.
Kosten im Vergleich: Selbstausbildung vs. fertig kaufen
Der finanzielle Vorteil der Selbstausbildung ist erheblich. Statt 15.000–40.000 Euro für einen fertig ausgebildeten Hund entstehen bei der Selbstausbildung typischerweise folgende Kosten:
| Kostenposition | Selbstausbildung | Fertig ausgebildet |
|---|---|---|
| Welpe / Ausgangshund | 800–2.500 € | Im Preis enthalten |
| Trainer-Honorar | 4.000–10.000 € | Im Preis enthalten |
| Prüfungsgebühr | 300–800 € | Im Preis enthalten |
| Ausrüstung | 300–600 € | 300–600 € |
| Gesamt | 5.400–13.900 € | 15.000–40.000 € |
Die Ersparnis von bis zu 30.000 Euro ist bedeutend. Allerdings ist die Zeitinvestition erheblich: Rechnen Sie mit 1–2 Stunden täglich über 1,5–3 Jahre. Wer diese Zeit nicht investieren kann, sollte trotz höherer Kosten den fertigen Hund wählen.
Wann ist professionelle Begleitung unverzichtbar?
Grundsätzlich immer – aber besonders in diesen Phasen und Situationen sollten Sie niemals ohne erfahrene Trainerprofessionalität vorgehen:
- Spezialisierungsphase:Die spezifischen Assistenzaufgaben (z.B. Anfallserkennung, Blutzuckerwarnung) erfordern jahrelange Erfahrung beim Trainer. Falsch trainierte Warnungen können gefährlich sein.
- Verhaltensprobleme:Wenn der Hund Ängste, Reaktivität oder unerwünschte Verhaltensweisen zeigt, brauchen Sie sofort professionelle Hilfe. Ohne Korrektur können sich diese verfestigen und den Hund dauerhaft untauglich machen.
- Prüfungsvorbereitung:Mindestens 3–6 Monate vor der Prüfung sollte der Trainer regelmäßig das Team beobachten und gezielte Vorbereitungsübungen durchführen.
- Öffentlichkeitstraining:Der Einstieg in das Öffentlichkeitstraining sollte immer mit dem Trainer erfolgen, der einschätzen kann, ob der Hund bereit ist und Fehler im Umgang frühzeitig korrigieren kann.
Prüfungsvorbereitung: Worauf kommt es an?
Die Abschlussprüfung wird von vielen Selbstausbildern als größte Herausforderung erlebt – nicht weil der Hund unvorbereitet wäre, sondern weil die eigene Nervosität sich auf den Hund überträgt. Folgendes hilft:
- Probeprüfungen mit dem Trainer 2–3 Monate vor dem eigentlichen Termin
- Das Prüfungsprogramm mehrfach in unbekannten Umgebungen üben
- Auch unter Ablenkung, Lärm und unbekannten Menschen trainieren
- Den Prüfungsablauf genau kennen und mit dem Trainer durchsprechen
- Am Prüfungstag ruhig bleiben: Hunde spüren Stress und reagieren darauf
Ausführliche Informationen zur Prüfung, den Anforderungen und wie die Anmeldung funktioniert, finden Sie auf unserer Seite zur Assistenzhund-Prüfung.
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